Greifvogelschau & Falknerei in Rauris 24.08.2026
Falken im freien Flug, kreisende Adler und ein Falkner, der seit rund zwei Jahrzehnten seine Sommer in Rauris verbringt: Bei der Greifvogelschau auf der Hochalm zeigt Peter Križan, was Falknerei bedeutet und warum Vertrauen, Geduld oder auch der Wind darüber entscheiden, ob ein Greifvogel zu seinem Falkner zurückkehrt. In unserem FAQ am Ende des Artikels haben wir außerdem alle wichtigen Fragen zur Greifvogelschau im Raurisertal zusammengefasst.
Mehr als eine Flugshow
Peter Križan begrüßt die Besucher auf der Greifvogelwarte der Rauriser Hochalm. Noch bevor der erste Vogel abhebt, beginnt er über seine Greifvögel zu erzählen, über ihre Eigenschaften, ihre Eigenheiten und die Falknerei. Damit macht er schnell klar, dass es hier um weit mehr geht als eine Flugshow. Währenddessen sitzt der Sakerfalke erstaunlich geduldig auf seinem Handschuh. Noch trägt er seine Kappe, um ihn vor den vielen Eindrücken rundherum abzuschirmen.
Dann wird es ernst. Peter nimmt ihm die Kappe ab, legt den kleinen Suchsender an – und entlässt ihn in den freien Himmel. Ein paar Flügelschläge, und der Falke ist erst einmal weg. Dann schwingt Peter sein Federspiel. Der Falke kehrt um, nimmt Fahrt auf und schießt dicht über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Ein Anflug, noch einer, aber am Ende macht der Falke seine Beute und bekommt zur Belohnung ein Stück rohes Fleisch.
Fast könnte man beim Zuschauen denken, das alles sei schon selbstverständlich. Ist es aber nicht, denn hinter diesen wenigen Minuten stecken monatelanges Training, viel Geduld und vor allem Vertrauen. Falknerei bedeutet nicht, einem Vogel ein paar Kunststücke beizubringen. Peter formuliert es viel treffender: „Es sind immer noch wilde Tiere.“ Dass man mit ihnen trotzdem arbeiten und dieses Vertrauen aufbauen kann, ist für ihn die eigentliche Kunst der Falknerei. Etwas, das ihn auch nach all den Jahren noch fasziniert.
Falknerei bedeutet nicht, einen Vogel zu dressieren
Dass Peters Vögel nach ihren freien Flügen zu ihm zurückkehren, ist das Ergebnis vieler gemeinsamer Stunden. Zwar stammen seine Greifvögel aus Zuchten und sind von klein auf an Menschen gewöhnt. Doch damit ein Vogel auf seinen Falkner fixiert ist, braucht es Zeit und vor allem viele positive Erfahrungen. Der Vogel soll lernen: Bei diesem Menschen passiert mir nichts. Hier finde ich Ruhe. Hier lohnt es sich zurückzukommen.
Deshalb verbringt Peter von Anfang an viel Zeit mit seinen Tieren. Sie lernen Menschen kennen, Autos, Geräusche, verschiedene Umgebungen. Das Training beginnt zunächst geschützt in der Voliere. Später geht es hinaus, anfangs bei Bedarf noch mit einer langen Trainingsleine. Erst wenn die Abläufe sitzen, fliegen die Tiere frei. „Der Vogel muss alles positiv mit dem Falkner verbinden“, sagt Peter. Ein schöner Nebeneffekt dieser Arbeit: Sie trainiert offenbar nicht nur die Vögel. „Man wird geduldiger. Und ruhiger.“ Wie viel Geduld notwendig ist? Peter lacht. Mitunter mehr als mit eigenen Kindern.
Der erste Greifvogel auf dem Handschuh
Dabei war Peter selbst einmal der unsichere Anfänger. Er stammt aus Nitra in der Slowakei und kam über seine Ausbildung an einer Forstschule zur Falknerei. Für die Jagd hatte er sich schon als Jugendlicher interessiert. Rund um das Wochenendhaus seiner Familie zog es ihn immer wieder zu den Jägern der Umgebung, obwohl es in seiner eigenen Familie keine Jäger gab.
An seinen ersten Greifvogel auf dem Handschuh erinnert er sich noch genau. In der ersten Klasse seiner Ausbildung durfte er den Vogel eines älteren Schülers halten. „Angst hatte ich keine, aber ich war unsicher. Und das merkt der Vogel sofort.“ Aus der anfänglichen Unsicherheit wurde Routine, aus dem Interesse ein Beruf. Geblieben ist die tägliche Arbeit, die lange vor der ersten Flugvorführung beginnt. Bereits im März startet Peter zuhause in der Slowakei mit dem Training, ab Mai verbringen Falkner und Vögel den Sommer in Rauris.
Auf der Hochalm beginnt der Tag lange vor den ersten Besuchern. Die Volieren werden gereinigt, das Wasser gewechselt und das Futter – rohes Fleisch – vorbereitet. Peter beobachtet und wiegt seine Vögel, denn Gewicht, Verhalten und Kondition verraten ihm, ob ein Tier an diesem Tag bereit für die Flugvorführung ist. Reagiert ein Vogel bereits in der Voliere ungewöhnlich, nimmt er nicht an der Show teil. Denn so viel Erfahrung Peter inzwischen auch hat: Ob ein Greifvogel an diesem Tag fliegt, entscheidet nicht der Falkner allein.
Bei der Greifvogelschau auf der Hochalm entscheidet das Wetter mit
Von den Sitzplätzen vor der Greifvogelwarte auf der Hochalm kann ein Sommertag perfekt aussehen. Blauer Himmel. Sonne. Ein paar Wolken über den Bergen. Ob das Wetter aber auch für die Greifvögel passt, ist eine ganz andere Frage.
Peter beobachtet vor jeder Flugvorführung vor allem den Wind. Besonders beim Adler ist ausreichend Aufwind wichtig. Als Segler nutzt er die Thermik, um an Höhe zu gewinnen und sich von aufsteigender warmer Luft tragen zu lassen. Ob die Flugbedingungen stimmen, erkennt Peter häufig schon an den kleineren Greifvögeln, etwa den Falken. Kommen sie mit den Windverhältnissen gut zurecht, kann auch der Adler folgen. Schwieriger wird es bei starkem Abwind. Er kann einen Greifvogel immer weiter nach unten drücken, obwohl dieser gar nicht wegfliegen möchte. Auch wilde Greifvögel oder Paragleiter können die Tiere verunsichern und von ihrer Flugbahn abbringen.
Deshalb kann eine Greifvogelschau in Rauris selbst bei blauem Himmel verkürzt oder abgebrochen werden. Für Peter steht immer im Vordergrund, ob die Bedingungen für seine Vögel passen.
Peters besondere Faszination für den Steinadler
Fragt man Peter, welcher Greifvogel ihn bis heute am meisten fasziniert, kommt die Antwort ohne langes Überlegen: der Steinadler. „Er ist der mutigste Vogel“, sagt Peter. Im Winter geht Peter in der Slowakei mit seinen Adlern auf die Jagd. Dort zeigt sich für ihn jene Seite der Falknerei, aus der diese jahrtausendealte Tradition entstanden ist: die Jagd gemeinsam mit einem trainierten Greifvogel.
Falknerei bedeutet in ihrem ursprünglichen Sinn tatsächlich das Jagen mit dafür ausgebildeten Greifvögeln. In Österreich gehört sie seit 2010 zum nationalen immateriellen Kulturerbe, international steht die Falknerei heute gemeinsam mit zahlreichen anderen Staaten auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Was über Jahrtausende zur Nahrungsbeschaffung diente, ist heute jedoch weit mehr. Wissen über Greifvögel, ihre Haltung und Zucht wird über Generationen weitergegeben, zusätzlich wirken Falkner auch bei Nachzucht- und Artenschutzprojekten mit.
Auf der Hochalm bekommt diese alte Tradition eine weitere Aufgabe: Menschen jene Greifvögel näherzubringen, bei denen sie sonst oft nur rätseln, welcher Vogel da eigentlich gerade über ihnen seine Kreise zieht.
Adler, Falken, Bussarde und Eulen auf der Rauriser Hochalm
Wanderfalke und Sakerfalke, Wüstenbussard und Königsbussard, Uhu, Schneeeule und Schleiereule, Kaiseradler und Steinadler: Peters Greifvögel könnten unterschiedlicher kaum sein. Bei einer Vorführung auf der Hochalm fliegen in der Regel fünf bis sechs von ihnen. Und während sie dicht über die Köpfe der Zuschauer hinwegschießen, nahezu lautlos vorbeigleiten oder hoch über der Hochalm ihre Kreise ziehen, erzählt Peter. Über die einzelnen Arten und ihre Eigenheiten, über die Falknerei und das Leben mit seinen Vögeln.
Mindestens genauso gerne beantwortet er Fragen. Und wer Peter zuhört, bekommt schnell den Eindruck, dass es über Greifvögel nichts gibt, worauf er keine Antwort weiß. Fast nichts. „Wie viele Federn hat ein Steinadler?“, wollte einmal ein Kind wissen. Da musste selbst Peter passen. Trotzdem sind ihm solche Fragen wesentlich lieber als gar keine. „Das Schlimmste ist, wenn niemand etwas fragt“, sagt Peter. Also: fragen. Während der Vorführung genauso wie danach.
Warum es wichtig ist, bei der Greifvogelschau sitzen zu bleiben
Eines ist Peter bei der Greifvogelschau besonders wichtig: Während die Vögel fliegen, möglichst sitzen bleiben und plötzliche Bewegungen vermeiden. Vor allem Falken sind extrem schnell. Wenn ein Vogel bereits im Anflug ist und jemand in diesem Moment aufsteht, kann ihn die plötzliche Bewegung irritieren und seinen Flug beeinflussen – und es können gefährliche Situationen für Mensch und Tier entstehen.
Deshalb lohnt es sich auch, rechtzeitig zur Vorstellung zu kommen. Wer erst während der Flugshow eintrifft und zwischen den Zuschauern seinen Platz sucht, bringt unnötig Bewegung in die Situation. Ruhiges Sitzen bedeutet übrigens nicht ehrfürchtiges Schweigen. Applaus ist völlig in Ordnung. Und wenn ein Bussard oder der Uhu nur wenige Zentimeter über die Köpfe hinwegzieht, fällt das Stillsein ohnehin erstaunlich schwer.
Wenn aus Zuschauen Interesse wird
Peter möchte mit seinen Vorführungen Wissen weitergeben und Interesse für Greifvögel und die Natur wecken. Besonders freut ihn, wenn Kinder neugierig werden und anfangen, Fragen zu stellen.
Gelegenheiten, danach genauer hinzuschauen, gibt es im Raurisertal genug. Falken, Bussarde und Adler sind hier auch in freier Wildbahn unterwegs, im Krumltal lassen sich mit etwas Glück auch Bartgeier beobachten. Und vielleicht wandert der Blick nach einer Greifvogelschau auf der Hochalm beim nächsten Wandertag öfter einmal nach oben. Zum Vogel hoch über dem Bergrücken und zu der Frage: Was fliegt denn da eigentlich?