140 Jahre Sonnblick Observatorium 27.07.2026

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Seit 140 Jahren wird auf dem Hohen Sonnblick in Rauris Wetter- und Klimageschichte geschrieben. Was einst als kleine Wetterstation begann, zählt heute zu den bedeutendsten hochalpinen Mess- und Forschungsstationen der Welt. Zum 140-jährigen Jubiläum werfen wir einen Blick hinter die Türen des Observatoriums und erzählen die Geschichte eines Ortes, der Wissenschaft, Pioniergeist und das Raurisertal bis heute miteinander verbindet.

Zwischen Wetter und Wissenschaft

Draußen liegt die Welt im Weiß. Eis umklammert Geländer, Antennen und Messgeräte. Der Wind schlägt gegen die ziegelrote Fassade, fährt heulend um die Kanten und treibt feinen Schnee über den Felsgrat. Drinnen leuchten Bildschirme. Pumpen ziehen Luftproben ein, Sensoren erfassen winzige Teilchen, Messwerte laufen Sekunde für Sekunde in Datenbanken. Der Techniker öffnet die Tür, tritt hinaus und blickt in den Himmel. Wie weit reicht die Sicht? Was fällt vom Himmel – Schnee, Regen oder Graupel? Wie stark drückt der Wind?

Es sind Beobachtungen, die auf dem Hohen Sonnblick seit 1886 gemacht werden. Damals wurden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonnenscheindauer mit wenigen Instrumenten gemessen. Heute ist das Sonnblick Observatorium auf 3.106 Metern Seehöhe ein internationales Forschungszentrum, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt untersuchen, wie sich Atmosphäre, Wolken, Gletscher, Permafrost und Ökosysteme verändern.

Wer dafür sorgt, dass dieser außergewöhnliche Arbeitsplatz rund um die Uhr funktioniert, ist Christian Maier. Dem Sonnblick Observatorium ist er seit acht Jahren verbunden, Anfang 2026 hat er die Leitung übernommen. Gemeinsam mit dem elfköpfigen Kernteam stellt er sicher, dass hier oben rund um die Uhr geforscht, gemessen und gearbeitet werden kann. Während vier Techniker wochenweise direkt am Berg leben, wechseln sich weitere Kolleginnen und Kollegen in Bereitschaft und Infrastruktur ab. Für Christian Maier ist die Arbeit auf dem Sonnblick weit mehr als ein Beruf: „Es ist schon etwas Besonderes, ein Observatorium zu leiten, das seit 140 Jahren besteht. Im ganzen Team spürt man, dass wir Teil von etwas sind, das Generationen überdauert hat. Das macht große Freude, aber es bringt auch Verantwortung mit sich.“

Das Team des Sonnblick Observatoriums im Juni 2026

Was ist ein Observatorium eigentlich?

© © bergratz.at

Bei einem Observatorium denken viele zunächst an ein Gebäude mit Fernrohr und einer Kuppel, durch die nachts Sterne beobachtet werden. Das Sonnblick Observatorium ist ein meteorologisches Observatorium. Hier richtet sich der Blick nicht auf Sterne und Planeten, sondern auf die Erde und auf jene Luftschichten, die sie umgeben.

Ein Observatorium ist ein Ort, an dem Naturvorgänge über lange Zeit systematisch beobachtet und gemessen werden. Entscheidend ist dabei nicht nur, was gemessen wird, sondern dass dies immer wieder unter vergleichbaren Bedingungen geschieht. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Über Generationen hinweg.

Genau darin liegt der wissenschaftliche Schatz des Sonnblicks. Einzelne Messwerte sind Momentaufnahmen. Erst eine lange Messreihe zeigt, wie sich das große Ganze verschiebt: ob Sommer wärmer werden, Gletscher zurückweichen, mehr Niederschlag als Regen fällt oder sich die Zusammensetzung der Luft verändert.

Die Daten vom Sonnblick fließen in internationale Messnetze und weltweite Datenbanken ein. Sie helfen dabei, Wetter- und Klimamodelle zu verbessern und jene Veränderungen sichtbar zu machen, die sich erst durch jahrzehntelange Messungen erkennen lassen.

Die Geschichte des Sonnblick Observatoriums

Eine Idee, für die man einen Berg brauchte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wussten Meteorologen bereits, dass ihnen ein entscheidender Teil des Wetters entging. Die meisten Messstationen standen in Städten und Tälern. Doch Hoch- und Tiefdruckgebiete, Föhn, Wolken und Luftströmungen ließen sich nicht allein von unten verstehen.

Beim Internationalen Meteorologenkongress 1879 in Rom wurde deshalb ein ehrgeiziges Ziel formuliert: In Europa sollten Forschungsstationen im Hochgebirge entstehen. Einer jener Wissenschaftler, die diese Idee vorantrieben, war Julius Hann, einer der bedeutendsten Meteorologen seiner Zeit. Er suchte nach einem Ort, an dem die Atmosphäre möglichst frei von lokalen Einflüssen beobachtet werden konnte. Hoch sollte er liegen. Abgelegen. Und dennoch irgendwie erreichbar sein.

Dass die Wahl auf den 3.106 Meter hohen Sonnblick fiel, hatte viel mit dem Rauriser Goldbergbau und einem Mann zu tun, ohne den das Observatorium wohl nie entstanden wäre: Ignaz Rojacher. Der Bergwerksbesitzer aus Kolm Saigurn verfügte über etwas, das in dieser Höhe selten war: Wege, Unterkünfte, erfahrene Knappen und eine für die damalige Zeit außergewöhnliche technische Infrastruktur. Zum Bergwerk gehörten unter anderem der erste elektrische Generator im heutigen Bundesland Salzburg sowie ein Schrägaufzug bis auf über 2.000 Meter Seehöhe. Von dort musste alles weitergetragen werden.

Als der Gipfel zur Baustelle wurde

Was oben gebraucht wurde, kam auf den Schultern der Rauriser Knappen hinauf: Holz, Eisen, Messgeräte, Lebensmittel. Die Steine des Beobachtungsturms wurden direkt am Gipfel gewonnen – aus einem Untergrund, der beinahe das ganze Jahr gefroren war.

Im Sommer 1886 wuchs auf dem schmalen Felsgrat ein steinerner Turm mit Beobachterzimmer und kleiner Gelehrtenstube. Während Bergwerksbesitzer Ignaz Rojacher Arbeiter und Materialtransporte organisierte, brachte Meteorologe Julius Hann die wissenschaftliche Vision ein. Karl Alfred von Zittel, Präsident des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, half mit, die notwendige Unterstützung und Finanzierung für das außergewöhnliche Vorhaben zu sichern. Am 2. September 1886 nahm das Sonnblick Observatorium offiziell seinen Betrieb auf.

Der erste Beobachter, Simon Neumayer, blieb über den Winter auf dem Berg. Unten im Tal wusste lange niemand, ob er die Kälte, die Stürme und die Isolation überstanden hatte. Erst als er im Frühjahr wieder herunterkam, war klar: Der erste Winterdienst auf dem Sonnblick war gelungen.

Damit begann eine Messreihe, die bis heute beständig läuft. Für Christian Maier ist genau diese außergewöhnliche Kontinuität das Besondere an der jahrzehntelangen Geschichte des Observatoriums: „Wenn ich auf diese 140 Jahre zurückblicke, beeindruckt mich am meisten, dass das Observatorium fast ohne Unterbrechung betrieben wurde. Gerade einmal vier Tage war niemand hier oben.“

Tipp

Im Rauriser Talmuseum erzählen historische Einblicke und ein Modell von 1886 die Geschichte des Sonnblick Observatoriums.

Vom kleinen Wetterturm zum Labor über den Wolken

Würden Julius Hann und Ignaz Rojacher heute durch die Tür des Observatoriums treten, müssten sie vermutlich zweimal hinsehen. Aus dem kleinen Wetterturm ist ein Gebäude voller Technik geworden. In den Räumen stehen Messgeräte, Leitungen und Computer dicht an dicht. Auf dem Dach drehen sich Instrumente zur Strahlungsmessung in Richtung Sonne. Andere Anlagen sammeln Wolkenwasser, untersuchen Aerosole oder registrieren Spurengase.

„Von einer Wetterwarte sind wir mittlerweile weit entfernt. Heute ist das Observatorium eigentlich ein Labor geworden“, sagt Christian Maier. Und doch lebt ein Teil des alten Arbeitsalltags weiter. Noch immer treten die Techniker hinaus, schauen in den Himmel und beurteilen Wolken, Sichtweite und Niederschlag. Die automatische Station misst viel. Aber nicht alles, was ein geschultes Auge erkennt.

Diese Mischung aus 140 Jahren Erfahrung und modernster Technik macht den Sonnblick so wertvoll. Historische Verfahren werden, wo immer es sinnvoll ist, weitergeführt. Gleichzeitig entstehen sekündlich große Datenmengen, die digital gespeichert, geprüft und an internationale Forschungsnetze übermittelt werden. Selbst alte handschriftliche Aufzeichnungen werden nach und nach digitalisiert.

Auch die Forschung selbst hat sich stark verändert. Heute ist das Observatorium Teil zahlreicher internationaler Forschungsnetzwerke. „Oft sind mehr als 30 Forschende aus verschiedenen Nationen gleichzeitig am Sonnblick. Wir arbeiten mit Partnern in ganz Europa zusammen, aber auch mit Forschungsgruppen bis nach Colorado“, erzählt Christian Maier. Mit den Projekten sind auch die Anforderungen an das Team gewachsen. Techniker warten heute nicht mehr nur Messgeräte, sondern arbeiten teilweise unter Reinraumbedingungen, verpacken Proben mit Handschuhen luftdicht oder bereiten sie für Labore in aller Welt vor.

Die perfekte Luft zum Forschen am Sonnblick Observatorium

Mit 3.106 Metern Seehöhe ist das Sonnblick Observatorium die höchstgelegene dauerhaft bemannte Wetterstation Europas. Das Sphinx-Observatorium am Jungfraujoch liegt zwar noch höher, viele Messungen laufen dort jedoch automatisiert. Am Hohen Sonnblick hingegen lebt und arbeitet an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr ein Team direkt am Gipfel. Außerdem ist der Sonnblick einer der wenigen Orte im Hochgebirge, an denen der Tourismus kaum Spuren hinterlässt. Genau das macht ihn für die Forschung so wertvoll.

Nur wenige Bergsteiger gelangen bis zum Gipfel. Es gibt keine öffentliche Seilbahn und keine großen Besucherströme. Rundherum liegt der Nationalpark Hohe Tauern. Genau diese Abgeschiedenheit macht den Standort für Christian Maier so besonders:  „Der große Vorteil am Sonnblick ist, dass wir hier oben kaum lokale Emissionen haben. Die Luft ist außergewöhnlich rein. Genau deshalb können wir Veränderungen messen, die anderswo oft überlagert würden.“

Was die Instrumente messen, stammt daher oft nicht aus dem nächsten Tal, sondern wurde mit den Luftströmungen über weite Strecken herangetragen. Bricht etwa der Ätna auf Sizilien aus und steht der Wind günstig, lassen sich seine Spuren wenige Tage später auch am Sonnblick nachweisen. Saharastaub färbt den Schnee leicht bräunlich. Schwefeldioxid aus fernen Regionen wird ebenso registriert wie kleinste radioaktive Partikel, die mit den Luftströmungen über weite Strecken transportiert wurden. Der Sonnblick ist damit eine Art Horchposten der Atmosphäre.

Was heute am Sonnblick erforscht wird

Die Wetterbeobachtung ist noch immer die Basis. Doch längst reicht die Forschung weit darüber hinaus.
Heute werden unter anderem untersucht:

  • Temperatur, Wind, Luftdruck und Niederschlag
  • Gletscher, Schneedecke und Permafrost
  • Kohlendioxid, Methan und andere Spurengase
  • Aerosole und Feinstaubpartikel
  • Ozon und UV-Strahlung
  • Wolkenwasser und Wolkentröpfchen
  • radioaktive Stoffe in der Atmosphäre
  • Mikroplastik und schwer abbaubare Schadstoffe
  • Pollen, Insekten und sogar ziehende Fledermäuse
  • seismische Bewegungen und Veränderungen im Fels

Selbst Meteore werden mit einer Kamera über dem Sonnblick erfasst. An anderer Stelle hängen Materialproben im Freien, um zu beobachten, wie Kunststoffe, Seile oder Textilien unter extremer UV-Strahlung, Kälte und Eis altern.

Das Observatorium betrachtet damit nicht mehr nur die Atmosphäre. Es verbindet Forschung in Luft, Eis, Fels und belebter Natur. Atmosphäre, Kryosphäre, Lithosphäre und Biosphäre greifen hier auf engstem Raum ineinander.

Wolkenforschung mitten in der Wolke

Besonders gefragt ist derzeit die Wolkenforschung. Denn Wolken gehören noch immer zu den großen Unsicherheiten in Wetter- und Klimamodellen. Damit eine Wolke entsteht, braucht Wasserdampf winzige Partikel, an denen er kondensieren oder gefrieren kann. Doch nicht jedes Teilchen wirkt gleich. Saharastaub, Meersalz, Ruß oder biologische Partikel beeinflussen Wolken auf unterschiedliche Weise. Sie entscheiden mit darüber, wie groß Tropfen werden, wann Eis entsteht, ob es regnet und wie viel Sonnenlicht eine Wolke zurückwirft.

Am Sonnblick lassen sich diese Vorgänge dort messen, wo sie tatsächlich stattfinden: mitten in der Wolke. Dabei spielt die 2018 erneuerte Werksseilbahn eine ungewöhnliche Rolle. An ihr können Instrumente angebracht werden. Während die Kabine oder ein Lastengehänge von Kolm Saigurn zum Gipfel fährt, durchqueren die Geräte unterschiedliche Höhen und Luftschichten. Forschende können so etwa die Basis einer Wolke messen und wenig später untersuchen, was weiter oben aus ihr geworden ist.

Seit 2024 ist der Sonnblick außerdem Standort eines europäischen Zentrums für Wolkenvergleichsmessungen und Standardisierung. Messgeräte aus verschiedenen Ländern werden hier unter denselben Bedingungen getestet, damit ihre Ergebnisse später tatsächlich miteinander vergleichbar sind.

Die Seilbahn, an der alles hängt

Was früher über Gletscher und Steige getragen wurde, fährt heute mit der nichtöffentlichen Werksseilbahn nach oben: Lebensmittel, Ersatzteile, Gasflaschen, Messinstrumente, Forschende und die Techniker, die das Observatorium rund um die Uhr betreuen.

Die erste Seilbahn wurde 1946/47 errichtet. Das legendäre alte „Kisterl“ brachte zwar Mensch und Material hinauf, musste bei starkem Wind jedoch häufig stehen bleiben. Für ein ganzjährig besetztes Observatorium war das ein ernstes Problem und die Fahrt auf den Gipfel definitiv nichts für schwache Nerven.

Die 2018 fertiggestellte Anlage ist deutlich windstabiler. Sie besitzt eine Kabine für sechs Personen sowie ein eigenes Lastengehänge und kann teilweise selbst dann noch fahren, wenn ein Hubschraubereinsatz nicht mehr möglich wäre. Eine öffentliche Gipfelbahn ist sie trotzdem nicht. Vor jeder Fahrt wird die Anlage kontrolliert. Bei Gewitter bleibt sie stehen. Und für Notfälle führen die gut geschulten Fahrgäste sogar Ausrüstung mit, mit der sie sich aus der Kabine abseilen könnten.

140 Jahre Sonnblick Die wichtigsten Meilensteine
  • 1886: Eröffnung des Sonnblick Observatoriums und Beginn der kontinuierlichen Wetterbeobachtung
  • 1890: Fertigstellung des Zittelhauses
  • 1892: Gründung des Sonnblickvereins zur Sicherung des Fortbestands
  • 1896: Beginn des Gletschermonitorings
  • 1912: Victor Franz Hess erforscht am Sonnblick die kosmische Strahlung; 1936 erhält er dafür den Nobelpreis für Physik
  • 1927: Aufbau eines Schneepegelnetzes
  • 1946/47: Errichtung der ersten Materialseilbahn
  • 1958: Beginn kontinuierlicher Strahlungsmessungen
  • 1965: Beginn systematischer Lawinenbeobachtungen
  • 1980er-Jahre: Anschluss an das öffentliche Stromnetz und umfassende Modernisierung des Observatoriums
  • 1983/84: Beginn der Messungen von Niederschlagschemie und Radioaktivität
  • 1988: Ausbau der Luftchemie- und Spurengasmessungen
  • 1994: Beginn systematischer Ozon- und UV-Messungen
  • 2003: Geologische Stabilisierung des Gipfelbereichs
  • 2004: Beginn des Aerosolmonitorings und der Messung langlebiger Schadstoffe
  • 2017: Ausbau der Ökosystemforschung und Beginn der Mikroplastikforschung
  • 2018: Inbetriebnahme der neuen Werksseilbahn und Aufnahme in die europäische Forschungsinfrastruktur ACTRIS
  • 2024: Beginn des operativen Betriebs des europäischen Wolkenzentrums ECCINT
  • 2025: Auszeichnung als europäische ACTRIS-Referenzstation für spezielle Wolkeneigenschaften

Ein Erbe, das den Sonnblick bis heute prägt

Das Observatorium steht auf dem Gipfel. Seine Wurzeln liegen im Tal. Rauriser Knappen trugen das Material hinauf. Ignaz Rojacher öffnete mit der Infrastruktur des Goldbergbaues den Weg. Menschen aus der Region arbeiteten als Beobachter, Techniker und Seilbahner. Und als die Forschungsstation nach Rojachers Tod finanziell vor dem Aus stand, sorgte der 1892 gegründete Sonnblick Verein dafür, dass weitergemessen werden konnte.

Mehr als einmal stand das Sonnblick Observatorium vor einer ungewissen Zukunft. Zwei Weltkriege, finanzielle Engpässe und die extremen Bedingungen am Berg stellten seinen Fortbestand immer wieder infrage. Während viele Hochgebirgsstationen aus derselben Zeit längst verschwunden sind, wird am Sonnblick bis heute gemessen.

„Ohne Rauris gäbe es das Observatorium wahrscheinlich nicht. Darauf können die Menschen hier im Tal wirklich stolz sein“, sagt Christian Maier. Denn seit 140 Jahren sind es Menschen aus der Region, die den Sonnblick mittragen, einst als Knappen und Beobachter, heute als Techniker, in der Versorgung des Observatoriums oder als Mitglieder des Sonnblickvereins.

Was in weiteren 140 Jahren bleiben soll

Christian Maier wünscht sich, dass das Observatorium auch in Zukunft Forschung in Atmosphäre, Biosphäre und Kryosphäre ermöglicht – „sofern es Letztere dann noch gibt“, fügt er nachdenklich hinzu.

Vor allem aber soll der Sonnblick weiterhin das sein, was er seit 1886 ist: ein Ort, an dem genau hingeschaut wird. Manchmal zeigt sich dort oben ein Bartgeier vor dem Fenster. Manchmal leuchtet bei starker elektrischer Spannung ein violettes Elmsfeuer an den Instrumenten. An anderen Tagen verschwindet das ganze Gebäude in einer Wolke, während drinnen Geräte ebendiese Wolke in Tropfen, Eispartikel und chemische Bestandteile zerlegen.

Und dann gibt es jene klaren Morgen, an denen der Blick über Gipfel und Gletscher bis weit über den Alpenhauptkamm reicht. Der Techniker wird zuerst auf seine Instrumente schauen. Doch dann tritt er hinaus, hebt den Kopf und beobachtet den Himmel – wie es auf dem Sonnblick seit 140 Jahren getan wird.

Bildnachweis: © Hermann Scheer, Museumsbild: © Regina Langreiter

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